Vom ewigen Vergleichen und warum ich nicht Yoko Ono sein kann

Heute habe ich in einer alten Ausgabe des »Zeit Magazins« mit der Titelstory „Deutschlands jüngste Autorengeneration“ geblättert: Jeden Menge junge, vielversprechende Nachwuchsautoren und ihre Werke werden darin vorgestellt – alle irgendwie hip, mit seltsamen Klamotten und/oder sehr intellektuell dreinschauend, in Berlin oder Hamburg geboren und mindestens 5 Jahre älter als ich. Nichtsahnend schaue ich mir die Einzelfotos mit den Geburtsjahren an, rechne aus, wie alt sie sind (das interessiert mich immer) und da trifft es mich plötzlich wie ein Schlag: Fasst alle sind jünger als ich! Solange solche Leute älter als ich sind, kann ich mich beruhigt zurücklehnen und mir denken „Ach, da hab ich noch viel Zeit, aus mir kann auch noch so etwas Tolles werden“. Und jetzt steht es da, Schwarz auf Weiß: ich bin zu alt! Dabei will ich gar keine Buchautorin werden! Aber darum  geht es ja auch gar nicht.

Mit 16 dachte ich noch, aus mir wird mal etwas Großes (das denken wohl alle in dem Alter. Wer denkt schon „aus mir wird mal etwas Stinknormales“?!). Mit 21 habe ich angefangen Kunst zu studieren und mich schon als die neue Yoko Ono gesehen (nur ohne die Beatles-Geschichte und den seltsamen Ruf). Mit 26 dämmerte es mir langsam, dass daraus wahrscheinlich nichts wird und heute fülle ich mein Normalo-Dasein ganz und gar aus (immerhin habe ich eine Katze, die Yoko Ono heißt). Aber an manchen Tagen, wenn ich etwas höre über junge, talentierte Nachwuchs-Autoren/-Künstler/-Designer/-(hier bitte eine beliebige, hippe Berufsgruppe einfügen), da fange ich an, mich zu vergleichen.

Es gibt ein Motto, das mir meine beste Freundin mal gesagt hat und das ich wie ein Mantra immer wieder gedanklich vor mich hinmurmle: „Vergleichen macht unglücklich„. Und damit hat sie Recht. Dabei bin ich wirklich zufrieden. Zugegeben, es gibt immer Kleinigkeiten, die man gerne ändern würde (2 Kilo weniger und eine Haut wie ein Pfirsich wären schön, mit klitzekleinen Poren), aber alles in allem bin ich ganz glücklich.

Es ist auch nicht das Älterwerden, das ich gruselig finde (das finde ich okay), sondern die Tatsache, dass ich manche Sachen jetzt einfach nicht mehr werden kann: zur Jungautorin bin ich jetzt ganz kanpp zu alt (man muss ja die Zeit mit einrechnen, die ich bräuchte um ein Buch zu schreiben), als Geigenvirtuosin hätte ich mit dem Geigespielen schon anfangen müssen, bevor ich laufen gelernt habe ( ich habe noch nie eine Geige in der Hand gehalten) und VIVA-Moderatorin kann ich jetzt wohl auch nicht mehr werden (es gab eine Zeit, da war das mein heimlicher Traumberuf). Damit das jetzt aber nicht so ein vor Selbstmitleid triefender Text wird, hier drei Dinge, die ich noch werden kann: jüngste Neuautorin der mittleren Altersklasse, Komparsin beim »Tatort«, Katzenlady.

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4 Gedanken zu „Vom ewigen Vergleichen und warum ich nicht Yoko Ono sein kann

  1. Wie recht du hast – ich stimme dir voll und ganz zu. Ich bin zwar ‚erst‘ 22, aber wenn ich sehe in welchem Alter die Leute an einem vorbeiziehen… mit 19 hat Adele ihr erstes Album rausgebracht, jetzt ist sie ein Weltstar und gerade mal ein winziges bisschen älter als ich. Ist das hundsgemein oder was?!
    Vergleichen macht allerdings wirklich unglücklich. Aber so ganz aufhören kann man nie damit, leider. Aber ich glaube, wenn man nach unten vergleicht, wird man ganz schnell merken, dass man es nicht so schlecht hat…
    Ach ja – den Katzenlady-Plan unterstütze ich voll und ganz 🙂

    • Stimmt, da hast du recht! Eigentlich ist das doch alles „Jammern auf hohem Niveau“, besser geht eben immer, aber das mit dem „nach unten vergleichen“ zeigt echt, wie gut es einem geht. Auch als Katzenlady 😉

  2. Ich musste so sehr lachen. Ich hatte / habe auch heimliche Berufsträume, die so unrealistisch sind, dass ich niemandem davon erzähle und für die ich samt und sonders jetzt zu alt bin.
    Popliteraturautorin der neusten Generation wollte ich mal werden, obwohl es nicht mal für odentliche Kurzgeschichten gereicht hat.

    Jetzt wäre ich gerne äußerst junge Familienblogautorin nach amertikanischem Vorbild, die von ihrer Passion leben kann. Tja, aber dazu fehlt mir a) die Familie, b) das fotografische Talent und c) gibt es dazu leider international viel zu viele junge Mormoninnen, die 5 Kinder vor 30 haben und schönere Blogs aus ihrem Los kreieren, als ich jemals fähig wäre. Die schreiben auch keine ollen Bandwurmsätze mit zweifelhaft gesetzten Kommata.

    Aber ihr habt schon beide Recht. Wenn man mal nicht den Blick darauf richtet, was man nicht hat, sondern im Gegensatz darauf was man (erreicht) hat, sieht das meistens gar nicht so schlecht aus.

    • Jetzt muss ich lachen!! Großartig! Blogautorin, die vom Schreiben leben kann, wäre ich auch gerne. (nur ohne die 5 Kinder, zwei oder drei würden reichen) Und Jungdesignerin, die tolle Klamotten aus alten Sachen näht. Nähen kann ich leider nicht. Aber ich könnte es lernen…Gerne würde ich auch „Prominent“ moderieren oder „exclusiv“…Ich glaube, die Liste lässt sich echt beliebig fortsetzen 😀

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